Pro Kastanie Zentralschweiz

Ehemaliges Kastanienland Zentralschweiz
Urkundlich treffen wir Kastanien erstmals um 1340 in Schwyz, 1378
in Weggis und 1378 in Walchwil an. Kastanienbaum in Horw wird 1434
erstmals erwähnt. Der Ort ist mit einer Sage verbunden, wonach
hier die ersten Kastanien gesetzt und sich von da in der Zentralschweiz
ausgebreitet hätten. Auch in Küssnacht nennt sich ein
Hof Kastanienbaum. Dass die Kastanie ehemals grosse Bedeutung genoss,
zeigen uns historische Belege, welche allgemein von Obst sprechen,
aber die Kastanien speziell hervorheben. Eine Recherche aus Weggis
kommt zum Schluss, dass dort vor ungefähr 120 Jahren der Kastanien-Erlös
noch grösser war, als der Erlös aus der Milch.
Ein Nekrolog auf die Kastanie
In der Broschüre Wendelsglocken (Aufsätze
zur Geschichte von Greppen) von 1974 widmet der Autor Josef
Muheim ein Kapitel den Kastanien. Aus Dokumenten
und Erzählungen alter Leute wird darin, von der ehemals
blühenden Kultur der Edelkastanie am Vierwaldstättersee
erzählt. Der Autor durchstreifte Hecken und Waldränder
und fand damals allein in der Gemeinde Greppen über 300
Standorte von Edelkastanien, sei es als unscheinbares Büschlein
oder als kräftiger Baum. Diese Realprobe allein bestätigt
Aussagen in alten Lexikas, wo Greppen als einsamer Ort zwischen
Waldungen und Kastanienbäumen dargestellt wird. Dazu
kommt die Tatsache, dass im 19. und 20. Jahrhundert zahlreiche
Bestände gerodet worden sind. Die meisten Gewährsleute
sind inzwischen gestorben und ausser den stummen Zeugen in
der Landschaft verschwand die Kastanie im kollektiven Gedächtnis
der Bevölkerung fast gänzlich. Der Abschnitt Kastanien
in der Wendelsglocken-Broschüre glich einem
Nekrolog.
Pro Kastanie Murg
Ein Blick in die Vergangenheit lässt uns fragen: "Waren
es die Römer oder die Kelten, welche die Edelkastanie
nach Murg an den Walensee brachten"? Wie dem auch sei,
Tatsache ist, dass die klimatische und geographische Lage
sowie der geologische Untergrund (Verrucanostein, saure Sediment-Gesteine)
die Edelkastanien in Murg schon sehr lange zum Gedeihen bringt.
Die Existenz lässt sich mit einem Eintrag in den Protokollbüchern
der Ortsgemeinde Murg aus dem Jahre 1819 unmissverständlich
belegen: Die Ratsherren hatten dannzumal über eine "freflerey
auf Unteralmeind in früchten" zu beraten. Eine Frau
aus Murg hatte "auf der Almeind Kestenen genomen die
ihren nicht gehört haben" und diese "mit einem
Stikell aben geschlagen".
Die Früchte der Edelkastanie waren zu früheren
Zeiten wie andernorts so auch in Murg "das Brot der
Armen". Bis zum 2. Weltkrieg versteigerte die Ortsgemeinde
Murg als einzige im Kanton den Früchteertrag von 1000
bis 2000 kg an die Bürgerschaft.
Nebst den Früchten war auch das Holz für Pfähle
und Spälten und die Kastanien-Baumrinde für Gerbereien
sehr begehrt.
Doch im Laufe der Zeit trat die wirtschaftliche Bedeutung
der Edelkastanie in den Hintergrund. Die Einheimischen holten
zwar zu einem Marroni-Schmaus immer noch ihre Murger Chestene
aus ihrem Wald, aber sonst ...